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Hanf, Kiffen, THC und die Gesetze zur Verfolgung von Cannabis

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Verfolgung von Hanfsamen – der zweite grosse Schub

Die Hanfsamenverfolgung schien gelaufen, doch sie erlebt ein Revival: Nach zwei ruhigeren Jahren gab es 2018 wieder über 2’000 Fälle. Die Bestellenden denken sich nichts Böses, doch der Zoll konfisziert nach wie vor sehr viele Sendungen.

Hanfsamen-Beschuldigte nach Art der Verzeigung

Nun werfen wir einen Blick auf ein spezielles Unterkapitel der Hanfverfolgung: die Hanfsamenverfolgung. Früher war das ja eine Kategorie unter ferner liefen. Doch spätestens ab 2015 wurde sie zu einer wichtigen Kategorie. Und zwar nicht in erster Linie bei den Übertretungen, nein: Der Zoll verzeigt den Import einiger Hanfsamen meistens als Vergehen! So sind denn auch die Anteile der Hanfsamen-Beschuldigten an den Vergehen enorm gestiegen. Während sie von 2009 bis 2012 unter 1 % lagen, stiegen sie in den beiden Folgejahren auf 3.8 bzw. 7.2 %. 2015 dann die Explosion: 28.4 % aller wegen Cannabis-Vergehen Beschuldigter waren nun Hanfsamenfälle. Dann wieder ein Rückgang auf 4.1 und 7.3 %, bevor nun 2018 wieder 16.1 % erreicht wurden (generelle Infos zu den Vergehen siehe LI84, Seite 9).

In unserer Grafik links haben wir alle Beschuldigten aufgeführt, die wegen Hanfsamen verzeigt wurden. Sowohl die wegen Übertretungen Beschuldigten (hellrote Balken) wie auch die we­gen Vergehen Beschuldigten (violette Balken). Die Mehrheit der Hanfsamenfälle wird also als Vergehen verfolgt.

Unsere Webseite zur Hanfsamenverfolgung ist übrigens weiterhin am Wachsen: Neue Infos und Strafbefehle schalten wir dort laufend auf.

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Hanfsamen-Beschuldigte nach Altersgruppen

Die Grafik rechts zeigt die Verteilung der Hanfsamen-Beschuldigten nach ih­rem Alter. Wir sehen, gerade im Vergleich zu den Grafiken im LI84, dass die Älteren hier viel häufiger vertreten sind als bei den übrigen Verzeigungen:

Im Jahr 2018 machten die über 40-Jährigen 32 % der Beschuldigten aus, während sie bei allen Vergehen nur 15 % der Fälle ausmachten und bei den Übertretungen noch 10 %.

Das deckt sich auch mit meinen Erfahrungen seit 2015: Da kam eine andere Schicht Cannabiskonsumierende, um nach Rat zu suchen. Das wa­ren «Kiffende», die man sonst kaum sah: Geringe Mengen, eigenes Haus, oberer Mittelstand, gute Steuerzahlende.

Zum Teil hatten sie sich seit langer Zeit ohne Probleme alle paar Jahre einige Hanfsamen bestellt, diese auf ihrem Grund­stück angebaut und konsumiert, ohne irgendwem aufzufallen.

Doch als der Zoll 2015 fast 5’000 Menschen verzeigte, da hatten viele aus dem Mittelstand ein Strafverfahren am Hals – und dies meistens wegen Verdacht auf ein Vergehen, also der höheren Stufe der Illegalität.

2018 lagen wir wieder bei über 2’000 Hanfsamenfällen. 2019 wird es wohl ebenfalls viele Fälle geben, denn die Anfragen zum Thema waren auch diesen Frühling und Sommer wieder sehr häufig: Ich konnte es kaum glauben.

Hanfsamenbestellungen sind wirklich sehr riskant!

Quelle aller Zahlen

Bundesamt für Statistik (BFS), Polizeiliche Kriminalstatistik, Jahresberichte 2009 bis 2018. Grafische Darstellung durch uns. Probleme der Statistik haben wir in unserem Quellenverweis im LI84 aufgelistet.

thc_recht/li850809.txt · Zuletzt geändert: 2020/01/17 20:45 von fabian