Hanf braucht Haltung: Warum wir der Pflanze ihren Platz in der Gesellschaft zurückgeben wollen

Hanf gehört zu den vielseitigsten Kultur- und Nutzpflanzen überhaupt. Trotzdem wurde kaum eine andere Pflanze über Jahrzehnte so stark durch Verbote, Vorurteile und gesellschaftliche Stigmatisierung geprägt.

Die Prohibition hat dabei nicht nur beeinflusst, wie Cannabis gesetzlich behandelt wird. Sie hat auch verändert, wie Menschen über die Pflanze sprechen und denken. Statt Landwirtschaft, Kultur, Sortenvielfalt, Nachhaltigkeit oder Verarbeitung standen lange hauptsächlich Rausch, Illegalität und Strafverfolgung im Mittelpunkt.

Wir bei Herba di Berna möchten dazu beitragen, dieses Bild wieder zu erweitern. Nicht indem wir Cannabis romantisieren oder überhöhen, sondern indem wir zeigen, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit Hanf auch Wissen, Qualität, nachhaltige Produktion und ehrliche Kommunikation bedeutet.

Denn unser eigentliches Ziel geht weit über den Verkauf von Hanfprodukten hinaus: Wir möchten der Kultur- und Nutzpflanze Cannabis wieder den Platz in der Gesellschaft geben, den sie verdient.

Was die Prohibition mit dem Bild von Hanf gemacht hat

Wer heute über Cannabis spricht, spricht häufig zunächst über THC, Grenzwerte, Verbote oder Legalisierung. Das ist verständlich, denn jahrzehntelang wurde die öffentliche Wahrnehmung der Pflanze genau durch diese Themen geprägt.

Dabei geriet vieles in den Hintergrund. Wie unterscheiden sich verschiedene Genetiken? Welchen Einfluss haben Boden, Klima und Anbaumethode? Was passiert nach der Ernte und warum unterscheiden sich Trocknung, Verarbeitung und Lagerung teilweise erheblich? Auch die Frage, wie eine Hanfpflanze möglichst sinnvoll und vollständig genutzt werden kann, spielte in der öffentlichen Diskussion lange kaum eine Rolle.

Das sind Themen, über die heute wieder stärker gesprochen werden sollte. Denn eine neue gesellschaftliche Sicht auf Cannabis entsteht nicht allein dadurch, dass sich Gesetze verändern. Sie entsteht auch dadurch, dass wir lernen, die Pflanze wieder differenzierter zu betrachten.

Genau darin sehen wir eine unserer Aufgaben.

Warum es Herba di Berna überhaupt gibt

Herba di Berna ist nicht aus der Idee entstanden, einfach einen weiteren Schweizer CBD-Shop aufzubauen. Am Anfang stand vielmehr die Begeisterung für eine Pflanze, deren Potenzial und kulturelle Bedeutung unserer Meinung nach über Jahrzehnte viel zu stark auf einzelne Aspekte reduziert wurden.

Daraus entwickelte sich die Frage, wie wir selbst dazu beitragen können, dass Hanf wieder sachlicher und selbstverständlicher betrachtet wird. Unsere Antwort darauf war, möglichst viele Bereiche miteinander zu verbinden: Produktion und Verarbeitung, Fachwissen und Qualitätskontrolle, den direkten Austausch mit Menschen sowie eine offene und nachvollziehbare Kommunikation.

Heute arbeiten wir mit ausgewählten Produzenten zusammen, betreiben ein Fachgeschäft in Bern und erreichen über unsere digitalen Kanäle Menschen in der ganzen Schweiz. Der Kern unserer Arbeit ist dabei derselbe geblieben:


Wir möchten zeigen, dass eine verantwortungsvolle und nachhaltige Hanfkultur möglich ist.

Eine Aktiengesellschaft, aber nicht mit Gewinnorientierung

Auch unsere Unternehmensstruktur ist Ausdruck dieser Haltung. Herba di Berna ist eine Aktiengesellschaft, gleichzeitig sind wir bewusst nicht gewinnorientiert ausgerichtet.

Natürlich müssen auch wir wirtschaftlich arbeiten. Wir bezahlen Löhne, investieren in Produktion, entwickeln Produkte und müssen als Unternehmen langfristig bestehen können. Entscheidend ist für uns jedoch, welchen Stellenwert die reine Gewinnmaximierung innerhalb dieser Entscheidungen einnimmt.

Wirtschaftlicher Erfolg soll es uns ermöglichen, unsere Arbeit langfristig fortzuführen und weiterzuentwickeln. Er ist für uns jedoch nicht der alleinige Zweck unseres Unternehmens. Wir möchten Strukturen schaffen, die auch Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden, Kundschaft, Umwelt und der Hanfkultur berücksichtigen.

Viele Entscheidungen treffen wir gemeinsam im Team. Wir investieren bewusst in Menschen, Produktionsqualität und nachhaltige Strukturen und versuchen, unternehmerische Entscheidungen nicht ausschliesslich danach zu beurteilen, wo kurzfristig die höchste Marge entsteht.

Gerade in der Cannabisbranche halten wir diesen Ansatz für wichtig. Wenn wir gesellschaftlich einen verantwortungsvolleren Umgang mit Cannabis fordern, müssen wir diesen Anspruch vor allem an uns selbst stellen.

Nachhaltigkeit beginnt bei uns im Boden

Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der heute schnell verwendet wird. Für uns reicht es deshalb nicht, ihn auf eine Verpackung oder in eine Produktbeschreibung zu schreiben. Nachhaltigkeit muss sich in der Art widerspiegeln, wie wir produzieren und Entscheidungen treffen.

Ein Beispiel dafür ist der Anbau. Die Pflanzen wachsen in organischer, lebender Erde. Beim sogenannten Living-Soil-Prinzip wird der Boden nicht einfach als Trägermaterial betrachtet, sondern als lebendiges Ökosystem. Mikroorganismen, Wurmkulturen und organische Bestandteile tragen dazu bei, die Bodenstruktur langfristig aufzubauen und zu erhalten.

Als nachhaltige Produzenten verzichten wir dabei auf künstliche Dünger und setzen bei der Schädlingskontrolle auf natürliche Nützlinge. Auch beim Energieverbrauch sollte man konsequent auf Strom aus erneuerbaren Energien setzen.

Das sind vielleicht keine spektakulären Schlagzeilen. Für uns sind es aber genau solche Entscheidungen, die glaubwürdige Nachhaltigkeit ausmachen. Sie beginnt nicht beim Marketing, sondern bei der Produktion.

Gute Qualität entsteht lange vor der Verpackung

Bei Cannabis entscheidet nicht erst das fertige Produkt über Qualität. Sie beginnt bereits bei der Auswahl der Genetik und setzt sich über die gesamte Produktion hinweg fort.

Boden und Nährstoffversorgung, Klima und Pflanzenpflege, Erntezeitpunkt, Trocknung, Verarbeitung und Lagerung können das Endprodukt beeinflussen. Deshalb betrachten wir Qualität nicht als einzelnen Arbeitsschritt, sondern als Prozess.

Wir verfügen über langjährige Erfahrung im Anbau und in der Verarbeitung von Cannabis. Trotzdem verlassen wir uns nicht ausschliesslich auf Erfahrung. Produktionsprozesse werden regelmässig kontrolliert und durch externe Laboranalysen ergänzt.

Gerade bei CBD-Blüten gehören für uns deshalb Herkunft, Anbauweise, Verarbeitung und Kontrolle untrennbar zusammen. Vertrauen entsteht schliesslich nicht dadurch, dass ein Unternehmen behauptet, hohe Qualität anzubieten. Qualität muss nachvollziehbar sein.

Die ganze Pflanze verdient Wertschätzung

Ein weiterer wichtiger Teil unserer Philosophie ist der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen. Eine hochwertige Hanfpflanze besteht nicht ausschliesslich aus den grössten und optisch schönsten Blüten.

Bei der Verarbeitung entstehen kleinere Blütenbestandteile und Blütentrim. Auch diese Bestandteile stammen aus derselben sorgfältig angebauten Pflanze. Sie einfach auszusortieren, obwohl sie sinnvoll weiterverwendet werden können, widerspricht unserem Verständnis von nachhaltiger Produktion.

Deshalb versuchen wir, die Pflanze möglichst ganzheitlich zu nutzen. Wer beispielsweise CBD-Trim kaufen möchte, findet bei uns sorgfältig gesammelten Blütentrim der beim Wenden der Blüten im Trocknungsprozess abfällt.

Für uns geht es dabei nicht nur um ein einzelnes Produkt. Dahinter steckt eine grundsätzliche Frage: Wie gehen wir mit den Ressourcen um, die uns eine Pflanze zur Verfügung stellt? Wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen, gehört diese Frage für uns zwingend dazu.

Verantwortung endet nicht beim Produkt

Ein verantwortungsvoller Hanfmarkt braucht mehr als gute Produktion. Er braucht ebenso gute und verlässliche Informationen.

Gerade rund um Cannabis treffen wissenschaftliche Erkenntnisse, persönliche Erfahrungen, jahrzehntealte Vorurteile und teilweise sehr offensives Marketing aufeinander. Dadurch können schnell Erwartungen entstehen, die mit der Realität wenig zu tun haben.

Deshalb gehört für uns eine ehrliche Kommunikation genauso zur Qualität wie der Anbau selbst. Wir möchten erklären, woher Produkte kommen, wie sie hergestellt werden, wodurch sich unterschiedliche Qualitäten unterscheiden und wie verschiedene Anbau- und Verarbeitungsmethoden funktionieren. Ebenso wichtig ist es, gesetzliche Rahmenbedingungen verständlich einzuordnen und klar zu kommunizieren, wo die Grenzen seriöser Aussagen liegen.

Dazu gehört ausdrücklich auch, keine Wirkungen zu versprechen, die sich nicht seriös belegen lassen. Hanf braucht keine Wunderversprechen, sie ist auch ohne diese eine wundervolle Pflanze. Wenn wir möchten, dass die Gesellschaft Cannabis ernst nimmt, müssen auch diejenigen, die mit Cannabis arbeiten, verantwortungsvoll darüber sprechen.

Aufklärung ist für uns kein Nebenprojekt

Aus diesem Grund beschäftigen wir uns in unserer Kommunikation längst nicht mehr ausschliesslich mit unseren Produkten. Wir greifen politische Entwicklungen auf, beschäftigen uns mit wissenschaftlichen Publikationen und erklären unterschiedliche Wege, wie sich Cannabis in der Medizin etabliert.

Auch Pilotprojekte, regulatorische Veränderungen und gesellschaftliche Diskussionen rund um Cannabis gehören für uns dazu. Komplexe Themen möchten wir so aufbereiten, dass sie auch für Menschen verständlich werden, die sich bisher nur wenig mit Cannabis beschäftigt haben.

Dabei geht es uns nicht darum, dass jeder unsere Sichtweise teilen muss. Unser Ziel ist vielmehr, dass Diskussionen auf Grundlage von Informationen geführt werden können und nicht ausschliesslich auf Grundlage jahrzehntealter Vorurteile.

Genau hier sehen wir auch eine starke Verbindung zur Arbeit von Legalize it!.

Aufklärungsarbeit über Cannabis verbindet

Genau bei der Aufklärungsarbeit sehen wir eine besonders starke Verbindung zwischen Legalize it! und Herba di Berna. Der Verein begleitet seit Jahrzehnten die politische und rechtliche Entwicklung rund um Cannabis in der Schweiz, dokumentiert Repression und Gesetzgebung und stellt umfangreiches Wissen öffentlich zur Verfügung.

Auch bei Herba di Berna ist Aufklärung längst ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Unser Blog beschäftigt sich seit Jahren mit wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Themen rund um Hanf und Cannabis. Dazu gehören Forschung und das Endocannabinoid-System ebenso wie Schwarzmarkt, Jugendschutz, Pilotprojekte, Legalisierung und aktuelle Entwicklungen der Schweizer Cannabispolitik.

Einen grossen Teil dieser redaktionellen Arbeit verantwortet heute Dominic Berg, Marketing- und Content-Manager bei Herba di Berna. Neben seinen weiteren Aufgaben im Unternehmen recherchiert und verfasst er regelmässig unsere Fach- und Hintergrunds Beiträge und versucht dabei, auch komplexe Themen verständlich und differenziert aufzubereiten.

Legalize it! und Herba di Berna kommen dabei aus unterschiedlichen Perspektiven, treffen sich aber bei einer gemeinsamen Überzeugung: Eine verantwortungsvolle Cannabispolitik braucht eine gut informierte Gesellschaft.

Genau deshalb ist der Austausch zwischen einem Verein wie Legalize it! und Unternehmen aus der Schweizer Hanfbranche aus unserer Sicht so wertvoll. Wissen, politische Erfahrung, praktische Branchenkenntnis und der direkte Austausch mit der Community können sich gegenseitig ergänzen und gemeinsam mehr Menschen erreichen.

Legalisierung allein schafft noch keine gute Hanfkultur

Die politische Diskussion rund um Cannabis hat sich in der Schweiz in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Wissenschaftliche Pilotprojekte sammeln praktische Erfahrungen mit regulierter Cannabisabgabe, während parallel darüber diskutiert wird, wie ein zukünftiger rechtlicher Rahmen aussehen könnte.

Diese Entwicklung begrüssen wir. Gleichzeitig glauben wir, dass eine Veränderung der Gesetzgebung nur ein Teil der Aufgabe sein kann.

Ein verantwortungsvoller Cannabis- und Hanfmarkt braucht transparente Produktionsketten, klare Qualitätsstandards und nachvollziehbare Kontrollen. Ebenso wichtig sind verantwortungsvolle Anbieter, sachliche Konsumenteninformationen, nachhaltige Produktionsmodelle und vor allem ein realistischer Jugend- und Konsumentenschutz.

Denn Legalität alleine sagt noch nichts über Qualität oder Verantwortung aus. Auch ein legaler Markt muss gestaltet werden. Genau deshalb sind die Erfahrungen wichtig, die Produzenten, Vereine, Wissenschaft, Behörden, Pilotprojekte und Konsumierende bereits heute sammeln.

Hanfkultur bedeutet auch Respekt vor der Pflanze

Wir lieben Hanf. Das bedeutet für uns aber nicht, die Pflanze zu idealisieren. Im Gegenteil: Wer eine Pflanze wirklich respektiert, sollte auch differenziert über sie sprechen können.

Dazu gehören gute und schlechte Qualität, nachhaltige und weniger nachhaltige Produktionsweisen ebenso wie sinnvolle und problematische Entwicklungen. Auch gesellschaftliche Chancen und die damit verbundene Verantwortung müssen Teil einer offenen Diskussion sein.

Eine glaubwürdige Hanfkultur braucht genau diese Differenzierung. Nach Jahrzehnten der Prohibition ist es vielleicht eine der wichtigsten Veränderungen, Cannabis nicht länger ausschliesslich entweder zu verteufeln oder zu glorifizieren.

Wir können anfangen, normal, sachlich und offen darüber zu sprechen.

Was wir uns für die Zukunft wünschen

Wir wünschen uns eine Schweiz, in der Hanf nicht automatisch durch die Brille jahrzehntelanger Prohibition betrachtet wird, sondern in der Menschen sachlich und differenziert über Cannabis diskutieren können.

Dazu gehört für uns eine Hanfwirtschaft, in der Produzenten Verantwortung für ihre Produkte übernehmen, Konsumierende nachvollziehbare Informationen erhalten und Qualität sowie Nachhaltigkeit wichtiger sind als möglichst aggressive Vermarktung.

Wir wünschen uns einen Umgang mit Cannabis, der weder von alten Vorurteilen noch von übertriebenen Versprechen geprägt wird. Stattdessen sollte die Pflanze wieder differenziert betrachtet werden können: als Kulturpflanze, Nutzpflanze, landwirtschaftliches Produkt und Teil unserer gesellschaftlichen Realität.

Daran möchten wir bei Herba di Berna mitarbeiten. Mit biologischem Anbau, nachhaltiger Produktion, überprüfbaren Qualitätsstandards, Wissen und transparenter Kommunikation. Gleichzeitig gehört für uns dazu, auch die eigene Branche immer wieder kritisch zu hinterfragen.

Denn eines hat sich seit unserer Gründung nicht verändert:

Wir möchten der Kultur- und Nutzpflanze Cannabis ihren verdienten Platz in der Gesellschaft zurückgeben.

Quellen und weiterführende Informationen

Zuletzt geändert: 2026/09/04 15:47

Magazin Legalize it! Nr. 111

Magazin Legalize it! Nr. 111 - Herbst 2026

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