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Seit Ende der 80er-Jahre sammeln Aktive Informationen zum Thema Hanf vor allem aus der Schweiz, aber auch international. Das Schwergewicht liegt auf politischen und rechtlichen Themen. Die Inhalte dieser über 60 physischen Ordner haben wir in den letzten Monaten digitalisiert.
Als das Thema Mitte der 90er-Jahre Auftrieb in den Medien erhielt, wurde langsam aber stetig ein Ordner-Archiv daraus. Mit dem Scannen ist nun eine riesige Menge an Informationen auf eine Art zugänglich, die Recherchen und Auswertungen erst möglich macht. Insgesamt wurden im Digitalisierungsprozess 8'381 Dokumente abgespeichert, die 16'276 Seiten umfassen.
In den Ordnern waren Zeitungsartikel abgelegt, ausgeschnitten oder ganze Seiten, dazu Beiträge aus Magazinen (sowie ganze Sondernummern) und Broschüren aller Art. Viele Gesetzestexte und deren Entwürfe (Fahnen) lagen als A4-Dossiers vor, auch Studien oder Arbeiten von Studierenden. Dazu kamen Positionspapiere und Pressetexte mit kleinerer Seitenzahl. Den Abschluss machten Flyer, Poster und viele kleine Trouvaillen: vom Hanfsäckchen, über Filter, Pins, Kleber und so weiter.
Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre war vor allem die offene Drogenszene in Zürich in den Medien zu finden. Das Thema Hanf – vormals fast ausschliesslich in der Form von Haschisch – wurde erst mit den Hanf-Feldern und den Inseraten dazu Mitte der 90er-Jahre prominenter in den Medien behandelt, dann auch als Hanf und nicht mehr (nur) als Haschisch. Manchmal gab es aber auch Schlagzeilen, die den «Hasch-Anbau» beschrieben. Medienschaffende wussten damals (wie viele in der damaligen Zeit, inkl. THC-Konsumierende) nicht, was der Unterschied zwischen Hanf, Hasch und Gras ist.
Ab 1996 sammelte eine Gruppe von Leuten regelmässig Artikel und so wuchs das Archiv stetig. Um den Überblick nicht zu verlieren, richtete Sven um die Jahrtausendwende das thematische Archiv ein: Altes Hanfarchiv, Politik, Rechtshilfe, International und Verschiedenes.
Ab ca. 2005 fanden regelmässige Archiv-Abende statt, an denen er mit Priska zusammen die neu eingetroffenen Artikel und Informationen ablegte (vor allem auch diejenigen von Ruth).
Früher musste mit grossen Spezial-Scannern gearbeitet werden, wenn viele Dokumente digitalisiert werden sollten. Heute tragen einige von euch die nötige Technik bereits im Hosensack: Das iPhone 15 kann mit einer Auflösung von 48 Megapixel fotografieren! Wir haben dieses Modell gekauft und werden es nach dem Scan-Projekt als Vereinshandy weiterbenutzen. Neben dem neu angeschafften iPhone bietet Michaels Mini-Server hunderte Gigabytes an schnellem SSD-Speicherplatz, um alle Original-Scans sicher aufzubewahren. Das iPhone verbinden wir über WLAN, wohingegen wir für unseren Mac Mini ein Netzwerkkabel verlegt haben. So flutschen die etwa 15 MB schweren Bilddateien schnell von der Handy-Kamera zum Server und dann zum Compi, für die Voransicht und Kombination von mehreren Einzelseiten zu einem mehrseitigen Dokument. Unsere schnelle Internetleitung hat es möglich gemacht, das ganze Archiv dezentral zu sichern.
Als Software verwenden wir eine Eigenentwicklung, die unseren Scan-Vorgang optimal unterstützt und die resultierenden Dateien effizient und zuverlässig ablegt.
Wir haben eine Plastik-Kiste genutzt, damit die Kamera immer an der gleichen Position und mit gleichem Abstand vom Dokument platziert ist (siehe Bild auf dieser Seite). Ausserhalb der Kiste wird das Telefon montiert, innerhalb der Kiste haben wir eine 1'400 Lumen starke Lampe montiert, um die Dokumente möglichst gut auszuleuchten.
Grundsätzlich geht es um die Balance zwischen Qualität und Quantität. Möglichst präzise, aber auch möglichst schnell arbeiten war Fabians Devise:
«Von Anfang an war mir bewusst, dass dies wichtig sein würde. Bei der Menge an Scans muss ziemlich zackig gescannt werden, sonst dauert das alles viel zu lange. Allerdings bringt uns das Digital-Archiv nicht viel, wenn die Qualität nicht stimmt – also viele Scans (zu) schief sind oder das Papier nicht flach aufliegt. Klar, heutzutage kann einiges im Nachhinein korrigiert und justiert werden – doch wollte ich den Zeitverlust durch Fehler oder multiple Versuche möglichst klein halten.
Schon am zweiten Tag konnte ich den Prozess erleichtern und beschleunigen, indem ich die Kiste nur einmal hochhob für den Wechsel der zu scannenden Artikel. Ich scannte die Ordner von hinten nach vorne, damit es nachher auch chronologisch von alt zu neu abgelegt wurde. Der konkrete Arbeitsablauf war wie folgt: Artikel reinlegen, durch die Öffnung auf der Seite ‘feinjustieren’, Scan auslösen, unterdessen schon Gescanntes in eine Kiste legen, Check am Bildschirm, Scan abschliessen (Sicherung in die Ordnerstruktur), nächsten Artikel herausnehmen, gescannten rausnehmen, neuen reinlegen und wieder von vorn.
An die schwarzen Finger hatte ich mich rasch gewöhnt und überrascht war ich, dass mir nie der linke Arm oder die linke Hand geschmerzt hat. Nach einigen Scans verfiel ich in eine Art Trance, war sozusagen «im Flow» und fast nicht mehr zu stoppen. Manchmal musste die Kiste wieder justiert werden, aber das machte ich bald automatisch. Vor allem das Zurückfalzen von grossen Zeitungsartikeln war mühsam (weil zeitaufwändig), doch die kleinen Falze gingen ziemlich schnell.
Zum Glück konnten wir einen Dokumentenscanner ausleihen, denn ohne ein solches Gerät wäre das Scannen der umfangreichen A4-Dossiers kaum möglich gewesen bzw. hätte dies viel zu lange gedauert und auch zu viel Speicherplatz benötigt. Gewisse Magazine und Hefte mussten vorab zurechtgeschnitten werden, damit sie mit diesem Gerät überhaupt erst gescannt werden konnten.»
Die Original-Scans schneiden wir automatisiert auf ihren Inhalt zu (Fachbegriff «to crop»). Dazu nutzen wir «OpenCV», eine Open Source-Lösung, welche verschiedene Algorithmen für Computer Vision beinhaltet. Am besten hat funktioniert, zunächst das hochaufgelöste Originalbild mit «Morphological Erosion» undeutlicher zu machen (da es nur um die grobe Struktur geht!) und dann mit «Canny Edge Detection» die Übergänge zu erfassen:
Im Anschluss sucht unser Programm von oben, unten, links und rechts nach dem Anfang der Inhalte und ignoriert dabei den Rahmen der Kiste. Schlussendlich erzeugen wir eine neue, zugeschnittene Bild-Datei. Ein paar wenige Dokumente muss man manuell croppen, aber die allermeisten Dokumente haben wir so automatisch zugeschnitten. Der Unterschied in der Datenmenge ist enorm: Aus 140 GB Originalen wurden 40 GB zugeschnittene Dateien.
Hier ein Tipp für alle, die ein ähnliches Projekt umsetzen wollen: Nutzt einen gleichfarbigen, matten Hintergrund (ohne Reflexionen!), um euch ideale Bedingungen zum Croppen zu schaffen. Dann genügt womöglich schon ein Farbfilter, wie bei einem Greenscreen, und die Bild-Daten sind leichtes Spiel für Kompressionsverfahren wie JPG, was in kleineren Originaldateien resultiert.
Nachdem wir nun über 16'000 Einzelseiten digitalisiert haben, ist die nächste Entwicklung eine gut zu benutzende Oberfläche, um sich in dieser Datenmenge zurechtzufinden. Das Archiv teilt sich in fünf Bereiche auf: Altes Hanf-Archiv, International, Politik, Rechtshilfe und Verschiedenes. Unser Archiv-Browser zeigt entsprechend diese fünf Hauptbereiche sowie die jeweiligen Unterordner an und ermöglicht es, entweder alle Dokumente durchzublättern oder nach Belieben weiter einzuschränken. So könnte man zum Beispiel eine Recherche im Bereich Politik beginnen, dann den Ordner Hanf-Initiative wählen und dann alle Dokus im Unterordner Gegenvorschlag durchblättern.
In der Hierarchie zu navigieren ist zwar nützlich, aber eine Suchfunktion wäre natürlich noch praktischer! Aktuell liegen die Daten ja als Bilddateien vor, aber in einem nächsten Nachverarbeitungsschritt wollen wir diese Daten in Textform umwandeln (Fachbegriff «OCR», Optical Character Recognition), was eine Suchfunktion möglich macht. Die Schwierigkeit dabei ist, zunächst die Struktur des gescannten Inhalts zu erfassen, also wo befindet sich eine Grafik, wo fangen die Textspalten des umliegenden Artikels an, wie brechen sie um und so weiter. Erst nachdem wir den Text aus der Struktur extrahieren, liefern OCR-Programme gute Ergebnisse. Mit der Textversion können wir nicht nur nützliche Funktionen wie Volltextsuche umsetzen, sondern auch weitere Schritte wie eine automatische Datumserkennung oder auch eine spätere Zusammenfassung und Durchforstung der Inhalte mit KI-Systemen.
Unser Vereinsarchiv dient unseren Rechtsberatungen, den Artikeln in unserem Magazin und der Erinnerung an unsere Entwicklung als Verein.
Übrigens: Wenn du eine interessante Info hast, schick sie uns gerne zu! Wir werden auch in Zukunft Inhalte in unser Archiv einfügen und unser Archiv weiterentwickeln.

Mit deiner Mitgliedschaft bekommst du:
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Mehrmals jährlich Einladungen zu Mitgliedertreffen.
Die aktuelle Ausgabe des «Shit happens» erklärt die rechtliche Lage unseres Genussmittels in der Schweiz.
Präventiv und im Notfall geben wir unseren Mitgliedern gratis Rechtsauskünfte bei allen rechtlichen Fragen um THC.